Masca

Heute geht es zur Wanderung in die Masca-Schlucht. Abholtermin ist um 9:10 Uhr, also gehen wir um 8:00 Uhr Frühstücken.

Um 8:50 Uhr gehen wir zum Auto und ziehen unsere Wanderschuhe an und schnappen uns die Rucksäcke. Am Eingang kommt uns ein junger Kerl mit Rucksack entgegen. Er geht direkt auf uns zu und es ist tatsächlich einer unserer Reiseführer. Er heißt Sergej und kommt aus der Ukraine.

Wir warten auf den Bus, der wenige Minuten später ankommt. Der Fahrer ist Ronald, ein Berliner. Anschließend sammeln wir noch ein paar andere Teilnehmer ein und fahren dann nach Tamaimo, wo es noch eine letzte Möglichkeit gibt auf die Toilette zu gehen.

Hier wird auch gecheckt, ob das Schuhwerk passt und man kann Stöcke, Schuhe und Rucksäcke ausleihen. Im Bus werden wir vom zweiten Reiseführer – er heißt Jo (eigentlich Johannes) und kommt auch aus Deutschland – begrüßt und genauestens für die Tour instruiert. Zwischendurch erklärt er auch etwas zu den Landschaften, durch die wir gerade fahren.

Wir fahren jetzt also zu dem kleinen Bergdorf Masca, zu dem nur eine sehr kleine und enge Serpentinenstrecke über eine Höhendistanz von ca. 300 Metern führt (bis 1981 konnte man das Dorf nur über einen Pfad zu Fuß erreichen). Alleine die Fahrt dorthin ist ein Abenteuer. An einigen Kurven muss der Bus bis zu zweimal zurücksetzen, damit er die Kurve überhaupt fahren kann.

In Masca angekommen werden Wasser, Bananen und ein Schinken-Käse-Baguette an jeden Teilnehmer verteilt.

Anschließend geht es los und wir beginnen mit dem Einstieg in die Schlucht auf ca. 600 Metern Höhe. Es ist jetzt ca. 11:00 Uhr. Vor  uns liegen gut 600 Höhenmeter bergab und ca. 8 km Wegstrecke (lt. Sergej sind das gefühlt 25 km).

Es geht zunächst – Sergej folgend – den Weg hinunter bis zu einer kleinen Brücke. Dort hat jeder, der bis dahin merkt, dass er die Tour evtl. körperlich nicht schafft, die Möglichkeit umzukehren und mit dem Bus zum Hafen und von dort mit dem Boot zum Ausgang der Schlucht zu fahren und auf die anderen zu warten.

Ein kleines Stück hinter der Brücke spricht mich Sergej plötzlich an und meint, dass es für meine Mutter vielleicht doch besser wäre umzukehren… Er meinte damit Petra – Axels Frau. Es war ihm sichtlich peinlich, als ich ihm gesagt habe, dass wir drei Freunde sind. Er spricht dann direkt mit den beiden, weil er der Meinung ist, dass Petra die Tour vermutlich nicht packen würde. Es wird immer schwerer, steiler und heißer. Axel und Petra beschließen also, dass sie zurück zum Bus gehen und wieder nach Los Gigantes fahren. Schade! Ich gehe mit der Gruppe weiter, wir sind jetzt noch insgesamt 12 Personen (inkl. Sergej). Wir sind eine gut gemischte Truppe, die Geschwindigkeit ist bei allen etwa gleich, so dass nie jemand extrem voraus ist oder jemand weit hinterherhängt und die anderen deshalb warten müssen. Die Gruppe besteht aus Deutschen und Polen, was sehr witzig ist, weil heute Abend Deutschland gegen Polen in der EM spielt.

Auf der Wanderung geht es steinige Pfade und Felsen entlang und durch ehemalige Wasserläufe hindurch. Die Felsen erheben sich in bis zu 400 Meter Höhe und die Landschaft ist atemberaubend. Meine Trinkblase im Rucksack hat sich als absolut praktisch erwiesen. Wo alle anderen immer wieder den Rucksack ablegen müssen um darin nach Wasser zu kramen, schnappe ich mir einfach im Laufen das Mundstück und trinke. Nach ca. 2 Stunden machen wir eine Pause, bevor es weiter Richtung Meer geht. Sergej erzählt uns in der Pause, dass er den Spitznamen „Babuschka“ bekommen hat, weil er früher öfters mit älteren Leuten Touren gegangen ist und so immer als letzter angekommen ist. Mittlerweile hält er – egal welches Alter die Leute haben – dieses Klischee aufrecht.

Wir gehen durch Wasserrinnsale, was die Steine teilweise extrem glitschig macht, an schmalen Felsabhängen entlang und überwinden teilweise 2,5 Meter hohe Abstiege. Die Wanderstöcke und -schuhe sind hier ein absoluter Pluspunkt, wobei Sergej mir erzählt, dass er die Tour auch schon mal barfuß gegangen ist, weil er die nassen Schuhe satt hatte.

Gegen 15.30 Uhr erreichen wir schließlich die Bucht, wo schon das Boot wartet. Wir gehen also direkt an Bord und fahren um 15:45 Uhr los zum Hafen von Los Gigantes. Es ist sehr starker Seegang heute, das kleine Schnellboot (wir fahren mit der „Gladiator U“, mit der ich schon vor drei Jahren bei der Walbeobachtung war) schwankt extrem hin und her. Nach ca. 30 Minuten fahrt erreichen wir den Hafen von Los Gigantes und gehen zum Bus, der dort schon wartet.

Der Busfahrer fragt, ob es mir was ausmachen würde, wenn er mich am Lidl rauslässt, sonst müsste er wegen der dort gesperrten Straße einen extremen Umweg fahren. Ich habe damit kein Problem, das sind max. 5 Minuten Fußweg, was nach der Tour heute ja mal gar nichts ist.

Ich steige also am Lidl aus und unser Tourführer ebenfalls, weil sein Auto dort steht. Er lädt mich noch auf einen Kaffee ein und bringt mich dann sogar noch bis zum Hotel. So bin ich um 16:50 Uhr wieder zurück. Ich gehe kurz duschen und dann erst mal was Richtiges trinken.

Axel und Petra sind in ihrem Zimmer und kommen auch dazu. Ich muss natürlich alles von der Tour erzählen. Im Anschluss geht es dann zum Abendessen und schließlich zum gemütlichen Ausklang auf der Hotelterrasse.