Sonntag, 02.09.2012

Ich wache auf und schaue auf meinen Wecker: 2.29 Uhr. Verdammt! Irgendjemand hat vergessen das Ding scharf zu schalten… Um zwei Uhr wollte ich aufstehen. Jetzt aber schnell. Ich hatte eigentlich vor, um halb vier in Nürnberg zu sein und das ohne Stress… Also schnell unter die Dusche und die gepackten Sachen ins Auto verfrachten. Hab ich alles? Ich glaube ja. Um kurz nach drei fahre ich also los. Noch einen Zwischenstopp bei der Bank, um etwas Geld abzuheben. Dann geht’s ab nach Nürnberg – Sebastian und seine Freundin Juliane abholen. Ich bin um 4:00 dort. Wir laden das Gepäck der beiden ein. Dazu kommen noch ein Fernseher, und ein paar Kartons, die wir mitnehmen sollen und dann geht es auch schon los. Juliane hat zudem einen Korb „Marschverpflegung“ dabei.

Die erste Rast machen wir kurz vor der österreichischen Grenze. Wir tanken nur so viel, dass wir noch bis nach Österreich kommen, weil da der Sprit evtl. günstiger sein könnte. Dazu kaufen wir gleich das „Pickerl“ (österreichische Autobahnvignette, Anm. d. Verf.). Wir machen eine kurze Vesper und fahren weiter. Bei der zweiten Rast in der Raststätte Ansfelden tanken wir voll. Der Sprit in Österreich kostet genau so viel wie in Deutschland, also was soll‘s. Dann spendiert Sebastian noch einen Kaffee im dortigen Rosenberger Restaurant. Danach geht es weiter und nach etwa zwei Stunden machen wir erneut eine Pause an einem österreichischen Rastplatz. Hier wundern wir uns nur über den ziemlich vermüllten Parkplatz und fahren nach kurzem Aufenthalt weiter in die letzte Etappe. Das Wetter war die ganze Fahrt über eher trüb, der Himmel war bewölkt. Fast exakt mit dem Passieren der österreichisch-ungarischen Grenze reißt der Himmel auf und die Sonne kommt durch.

Nach gut 600 km Fahrstrecke kommen wir schließlich um 12:00 Uhr in Rábatamási an. In dem Ort wird gerade die Kanalisation gebaut und die Erde ist an den Straßenrändern überall aufgegraben. Über eine schmale, nicht aufgebuddelte Stelle biegen wir in die Straße Táncsics Mihály utca ein, an deren Ende unser Ziel auf der rechten Seite liegt. Das eiserne Einfahrtstor am ehemaligen Anwesen eines Eisenbahners wird geöffnet und wir fahren in den Hof ein.  Dort werden wir von der „Hausherrin“ Zsuzsa (Sebastians Mutter) und deren Mutter (Sebastians Oma) in Empfang genommen.

Vor dem Haus ist eine gepflasterte Fläche, eine Art Terrasse, von der aus man in den unteren Teil des Hauses, einen ehemaligen Schafstall, gelangt. Ebenso führen zwei Türen in einen Art Hauswirtschaftsraum sowie in einen Lager-/Abstellraum. Von der Terrasse aus führt eine Treppe nach oben in den zweiten Teil des Hauses. Dort logieren wir. Es gibt am Eingang des Grundstückes, neben dem besagten Eisentor noch eine Haustüre, die ebenfalls in die obere Wohnung führt. Dort gibt es einen runden Tisch mit sechs Stühlen, ein Bad, ein Wohnzimmer, drei Schlafzimmer und eine Küche, von der aus man zu der Außentreppe nach unten gelangt. Zwei der Schlafzimmer sind mit Doppelbetten ausgestattet. Dazu gibt es ein „Einzelzimmer“. Ich wähle das Einzelzimmer als meine Kemenate aus und bringe mein Gepäck hinein.

Sodann steht das Mittagessen schon bereit. Es gibt ungarische Gulaschsuppe mit Weißbrot und selbst gebackene, noch warme kleine semmelartige Gebäcke. Die heißen „Pogácsa“. Dazu wird in einer großen Glaskaraffe Wasser aus einer Quelle im Dorf gereicht. Als Nachtisch gibt es noch Apfelkuchen. Ich befürchte, dass wir in diesem Urlaub nicht hungern müssen…

Nach dem ausgiebigen Mahl laufe ich durch das Anwesen mit jeder Menge Bäumen und sehe mir alles etwas genauer an. Es gibt Walnuss-, Zwetschgen- und Apfelbäume, ein paar Holunderbüsche und auch Nadelbäume. Einige sind schon ziemlich alt und verwachsen. Auch am ehemaligen Pool hat der Zahn der Zeit genagt. Der Rasen ist ziemlich ausgedörrt, denn die letzten Wochen waren Berichten zufolge sehr heiß und trocken. Im Garten befindet sich noch ein kleines Häuschen, in dem sich der Rasenmähertraktor und Brennholz befinden.

Wir schnappen uns ein paar Liegen und machen es uns unter einem Baum im Schatten bequem. Nach der langen Fahrt ist es nun erst mal Zeit etwas zu chillen. Im Garten erlebt man die pure Natur. Unter der Wiese habe sich Wühlmäuse und Maulwürfe einnistet. Ein Specht klopft immer wieder an einem der Bäume und es ist allerlei Vogelgezwitscher zu hören. Im Gras trifft man hin und wieder auf einen Frosch oder eine Eidechse.

Nachmittags trinken wir Kaffee und essen Sebastians (fast alleine gebackenen) Schokoladen-Browniekuchen. Geschätzte Kalorienzahl pro Stück: 12.000!

Sebastian befindet sich in reger Unterhaltung mit seiner ungarischen Oma, die er seit drei Jahren nicht mehr gesehen hat. Da wir (Juliane und ich) von dem Gespräch eh nichts verstehen, beschließen wir etwas Karten zu spielen. Ich habe mein „SET“-Spiel dabei und wir spielen einige Runden. Langsam dämmert es und es wird frischer. Es wird beschlossen, zum Abendessen nach innen in die Wohnung zu gehen.

Die untere Wohnung besteht aus einem großen Hauptraum mit Küche, Essplatz und Sofaecke, in den man von der vorderen Terrasse aus durch die Haupttüre gelangt. An den Raum grenzen ein Bad sowie zwei Schlafzimmer an. Von einem der Schlafzimmer kommt man über eine Türe auf die seitliche Terrasse.

Das Abendessen besteht aus Brot, Wurst, Käse und den letzten beiden Tellern Gulaschsuppe. Die bekommen Sebastian und ich. Dazu trinken wir ungarisches Bier. Nach dem Essen gehen wir nach oben. Wir spielen noch etwas Karten (Ligretto) und fangen eine Spinne. Gegen halb elf verschwinden wir ins Bett. Der erste Urlaubstag in Ungarn ist zu Ende.